Zwei Sessel mit einem Beistelltisch zwischen ihnen und einer Sprechblase mit der Beschriftung "Faktencheck Ernährung" darüber.
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Online-Talk Faktencheck Ernährung

In unserer Dialog-Reihe stehen Ihnen echte Experten Rede und Antwort. Das Konzept: Fakten aus erster Hand, ein offenes Gespräch, klare Antworten mit Blick auf die Wissenschaft und über den Tellerrand hinaus – für alle, die mehr über Ernährung wissen möchten. Den Talk gibt es in loser Folge zu aktuellen Themen: von Übergewicht über Klima und Konsum bis zu Mythen, Trends und Mode-Diäten.


Inhalt


Die Krise macht unsere Kinder dick – Experten schlagen Alarm

Folge 3 vom 13.12.2022

Leere Spielplätze, Fernunterricht, viel Sitzen und viel Langeweile: Corona und der Lockdown haben sich auf die Gesundheit von Kindern ausgewirkt. Studien zeigen, dass jedes sechste Kind seit Anfang 2020 dicker geworden ist. Das gilt vor allem für diejenigen, die schon übergewichtig waren – hier hat sogar jedes zweite Kind mehr Kilos auf den Rippen. Experten sprechen von einer Welle, die so noch nie vorkam. Das Übergewicht aber bleibt, und es kann schon bei Schulkindern zu Bluthochdruck, einer Fettleber oder Diabetes führen.

Zu Gast war Prof. Dr. Berthold Koletzko, weltweit anerkannter Mediziner für Ernährung und Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. In München leitete er die Abteilung für Stoffwechsel und Ernährung am Haunerschen Kinderspital und ist 1. Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit.

Foto: Stiftung Kindergesundheit

Moderation: Johanna Bayer, Wissenschaftsjournalistin und Redakteurin am KErn, Bereich Wissenschaft

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Nachlese zum Thema „Die Krise macht unsere Kinder dick“

Im Rahmen der dritten Folge des Faktenchecks erläuterte Prof. Dr. Berthold Koletzko die Zusammenhänge zwischen ernährungsbedingter Adipositas sowie der Anzahl an schweren Corona-Erkrankungen unter Kindern und Jugendlichen. Weltweit weisen Kinder mit Adipositas hierbei ein dreifach so hohes Risiko für eine schweren Krankheitsverlauf durch Corona auf, als Kinder ohne entsprechende Vorerkrankung.

Gründe hierfür erläutert Dr. Koletzko ebenso: Kinder mit Adipositas besitzen durch das Fettgewebe im Bauchraum, welches das Zwerchfell gegen die Lunge drückt, eine generell stärkere Beeinträchtigung der Atemfunktion. Kommt hierzu eine Atemwegserkrankung kann dies zu stärkeren gesundheitlichen Auswirkungen und Komplikationen führen. Ebenso führen die durch Adipositas herbeigeführten Stoffwechselveränderungen zu einem gestörten Blutzuckerwechsel, welcher mit einem höheren bakteriellen Infektionsrisiko sowie stärkeren Entzündungswerten einhergeht.

Bedenklich sind hierbei vor allem der enorme Anteil adipöser Kinder, welcher sich aktuell auf 6 Prozent beläuft, während die Zahl bei Jugendlichen noch weitaus größer ist. Corona hat hierzu beigetragen, dass viele Kinder und Jugendlichen während der Pandemie Übergewicht aufgebaut haben. Besonders unter älteren Schulkindern ist mehr als jedes 4. Kind hiervon betroffen. Ebenso beschreibt Koletzko die Korrelation von Adipositas, Corona sowie dem sozioökonomischen Hintergrund. So sind vor allem Eltern mit höherem Einkommen und besseren Bildungsbedingungen vermehrt im Homeoffice gewesen, wo eine bessere Betreuung und Versorgung der Kinder möglich war. Dieser Trend ist allerdings nicht neu: Waren in der Vergangenheit Kinder aus Familien mit geringem Einkommen von einer dreifachen Chance auf Adipositas betroffen, ist dieses Risiko inzwischen auf über das 4,4-fache gestiegen.

Entsprechend gilt es nun den Fokus auf umfassende Maßnahmen zur Verhaltensprävention zu legen, um dem Übergewicht bei Kindern aus sämtlichen Bevölkerungsschichten entgegenzuwirken, die Bewegung zu fördern sowie eine gesunde und ausgeglichene Ernährung attraktiver zu gestalten. Auch viele der Fragen der im Anschluss hinzukommenden Teilnehmer drehten sich dabei um mögliche Maßnahmen und Tipps, um Kindern eine gesündere Lebensweise näher zu bringen. Weiterhin wurden auch Fragen zu Einflussfaktoren wie Medienkonsum und Bequemlichkeit sowie der Kennzeichnung von Lebensmitteln und viele weitere im Zusammenhang stehende Themen von Herrn Koletzko näher beleuchtet.


Lebensmittelverschwendung: Was können wir jetzt tun?

Folge 2 vom 29.9.2022

Steigende Preise, Dürren und Lieferengpässe machen längst deutlich: Wir haben nichts zu verschwenden. Trotzdem werden in Deutschland jedes Jahr rund 7 Mio. Tonnen Lebensmittel entsorgt, die noch verwertbar wären. Darüber sprachen wir am 29.9. im Live-Talk, dem Beitrag des KErn zur Aktionswoche „Zu gut für die Tonne – Deutschland rettet Lebensmittel!“.

Zu Gast war Ernährungswissenschaftler Dr. Malte Rubach, bis 01.10.2022 Leiter des Bereichs Wissenschaft am Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn). Er beschäftigt sich seit 2012 am Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit den Themen „Lebensmittelverschwendung vermeiden“ und „Lebensmittelwertschätzung“. Seit 2016 koordiniert er das Bündnis „Wir retten Lebensmittel!“ in Bayern.

Foto: Ingolf Hatz

Moderation: Johanna Bayer, Wissenschaftsjournalistin und Redakteurin KErn, Bereich Wissenschaft

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Nachlese zum Thema „Lebensmittelverschwendung: Was können wir jetzt tun?“

mit Dr. Malte Rubach, Ernährungswissenschaftler und Nachhaltigkeitsexperte
Moderation: Johanna Bayer, KErn Bayern

Im Gespräch mit dem Ernährungsexperten Dr. Malte Rubach ging es darum, wie die Zahlen wirklich aussehen. Die Erfassung von Lebensmittelverlusten, die 2019 vom Thünen-Institut durchgeführt wurde, ergab: In Deutschland werden jährlich rund 12 Mio. Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Pro Kopf sind das Lebensmittelverluste von 85 kg/Jahr. Runtergerechnet auf die vermeidbaren Lebensmittelverluste pro Tag entspricht das laut Dr. Rubach ungefähr einem mittelgroßen Ei oder einem kleinen Apfel.

Auch wenn das im ersten Moment nicht nach viel klingt, summieren sich diese entsorgten Reste deutschlandweit auf jährlich insgesamt 7 Mio. Tonnen vermeidbare Lebensmittelverluste, so Moderatorin Johanna Bayer. Ausgerechnet die privaten Haushalte werfen mit Abstand am meisten weg: Sie sind mit 55 % für den Großteil aller weggeworfenen Lebensmittel verantwortlich, der Handel hingegen nur für 4 %.

Kreisdiagramm, das zeigt, dass die meisten Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten entstehen.

Abb. 1: Die Masse macht`s: Private Haushalten werfen in Summe am meisten weg. Quelle: Thünen-Institut 2019 / 2015, Grafik: Eva Kohl/KErn


Wie das sein kann, erklärt Dr. Malte Rubach: In Handel und Herstellung unterliegen Lebensmittel, bevor sie im privaten Haushalt landen, wirtschaftlichen Prinzipien. So minimiert der Handel Verluste sehr effizient durch Planung und Technik.

Wertschöpfungskette im Bereich Lebensmittel

Abb. 2: Vom Acker bis zum Teller: Stufen der Wertschöpfungskette. An jeder Station fällt Verlust an. Grafik: Eva Kohl/KErn


Anders sieht es in privaten Haushalten aus. Dort fehlt laut Rubach oftmals die richtige Planung, ein Haushaltstagebuch beispielsweise werde selten geführt. Unter den Lebensmitteln im Haushalt machen Obst und Gemüse mit 35–50 % den größten Teil der weggeworfenen Lebensmittel aus.

Grafischer Überblick, welche Lebensmittel im Abfall landen.

Abb. 3: Immerhin: Was teuer ist, landet seltener im Müll. Trotzdem werfen private Haushalte noch zu viel weg. Quelle: https://www.welthungerhilfe.de/lebensmittelverschwendung


„Doch wie setzen wir den Hebel an, damit sich etwas ändert?“ hakte Moderatorin Johanna Bayer nach. Dr. Rubach führte an, dass Politik, Industrie und Bevölkerung unterschiedliche Wege gehen müssten: Neben technischen Optimierungen, besseren Schnittstellen und ausreichend Kommunikation bei den Händlern, Herstellern und Landwirten sei der größte Hebel die Sensibilisierung in Haushalten und bei Privatpersonen. Denn dort ist noch eine Menge aufzuholen. Die Gesellschaft für Konsumforschung hat bayerische Haushalte befragt und festgestellt: An der Haltbarkeit liegt es nicht. Dass das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) abgelaufen ist, stellt nur in 5 % der Fälle den Grund für das Wegwerfen: Das meiste Essen wird entsorgt, weil zu viel eingekauft und zu wenig davon gegessen wird.

Grund dafür sei laut Rubach mangelnde Planung beim eigenen Bedarf: Wenn wir einkaufen, ohne die Lebensmittel in absehbarer Zeit zu benötigen, seien das „irrationale Handlungsarten, die man nur durch rationale Handlungsmotivation kompensieren kann. Im Alltag sind wir aber keine rational handelnden Wesen, sondern oft impulsgesteuert“, so Rubach.

Im Verbund mit anderen Menschen zu handeln, bringe die nötige Motivation, rationalere Entscheidungen zu treffen. Deswegen, so Rubach, sei von Seiten der Bayerischen Staatsregierung geplant, gemeinsam mit den Kommunen einerseits und den Akteuren im Verbund andererseits zu versuchen, Verbraucher vor Ort in Gruppen zusammenzubringen und das Thema Lebensmittelverschwendung anzugehen. Verbraucher sollen dann mit Tools und Wissen für mehr Wertschätzung im Umgang mit Lebensmitteln ausgestattet werden. Der Gedanke dahinter: Klein anfangen und (hoffentlich) im Großen enden.


Gesund und nachhaltig essen mit Fleisch – geht das?

Folge 1 vom 7.07.2022

In der ersten Folge des Faktenchecks Ernährung drehte sich alles um den weltweiten Fleischkonsum: Ernährungsphysiologie, Nachhaltigkeit und Klimaschutz kamen in der engagierten Diskussion zur Sprache. Das Grußwort zur Eröffnung der Reihe sprach Staatsministerin Michaela Kaniber in einer Videobotschaft, mehr dazu unten.

Gesprächspartnerin war Prof. Dr. Hannelore Daniel, international renommierte Ernährungsphysiologin, Forscherin und Expertin für personalisierte Ernährung, Stoffwechsel und Biochemie der Ernährung. Sie hält weltweit Vorträge und ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften Leopoldina sowie nationaler und internationaler Gremien. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Verdienstorden des Freistaats Bayern. Prof. Dr. Daniel berät nach ihrer Emeritierung weiterhin Institutionen und Unternehmen.

Foto: Hannelore Daniel

Moderation: Johanna Bayer, Wissenschaftsjournalistin und Redakteurin KErn, Bereich Wissenschaft

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Nachlese zum Thema „Gesund und nachhaltig essen mit Fleisch – geht das?“

Professor Daniel brachte in der ersten Folge „Faktencheck Ernährung“ das viel diskutierte Thema Fleisch zur Sprache: Die Effektgrößen und der Zusammenhang zwischen dem Fleischkonsum und Gesundheit seien im Vergleich zu Rauchen relativ gering, allerdings dosisabhängig, nur äußerst schwach ausgeprägt und beziehen sich lediglich auf rotes Fleisch und prozessierte Wurst- und Fleischwaren. Professor Daniel riet im Live-Talk daher zu einem qualitativ hochwertigen Fleischkonsum, der aber durchaus reduziert und moderat ausfallen solle. Ein absoluter Verzicht und Umstieg auf ausschließlich vegane Kost ist dabei jedoch nicht notwendig, eine Mischkost nach dem Vorbild der „Mediterranen Ernährung“ mit wenig Fleisch und Fisch sowie viel Obst, Nüssen, Hülsenfrüchten und Gemüse sei aus ihrer Sicht eine sehr gute Mischung.

Auch der Vergleich zwischen einem Flug nach Sydney, der vergleichsweise so viel CO2 produziere wie 30 Jahre durchschnittlicher Fleischkonsum in Deutschland, brachte das Thema Nachhaltigkeit bildhaft auf den Punkt: „Die großen Effekte müssen aus anderen Bereichen kommen und vor allem global betrachtet werden.“ Entsprechend spielen für einen nachhaltigeren Konsum die Regionalität, Produktion und Logistik eine viel entscheidendere Rolle, da die dabei entstehenden Emissionen nicht zwischen verschiedenen Lebensmittelarten unterscheiden.

Die Pilotfolge des „Faktencheck Ernährung“ startete am 7. Juli 2022 live mit Publikum: Insgesamt über 60 Interessierte hatten sich als aktive Fragesteller oder im öffentlichen Stream zugeschaltet.


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