Globus vor schwarzem Hintergrund, der aus verschiedenen Lebensmitteln besteht, aus denen die Planetary Health Diet bestehen sollte.

Die Debatte um die Planetary Health Diet

Die Planetary Health Diet ist eine Ernährungsstrategie, die gleichermaßen gut für den Planeten, die menschliche Gesundheit und soziale Gerechtigkeit sein soll. Die Frage ist daher, wie sich die Planetary Health Diet regional, zum Beispiel in Deutschland, konkret umsetzen lässt. Stimmen aus Wissenschaft, Politik, Verbraucherschutz und der Wirtschaft haben uns erzählt, was sie allgemein von dem Konzept der „Planetary Health Diet“ halten, wie diese sich regional umsetzen lässt und was die Probleme auf dem Weg dahin sind.

Die Beiträge wurden vom Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) eingeholt.


Inhalt


Warum wurde der Aspekt der sozialen Gerechtigkeit in den Bericht der EAT-Lancet Kommission aufgenommen?

Martin Smollich

Felicitas Beier

Abteilung Klimaresilienz am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
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Eine gesunde, ausgewogene Ernährung, wie sie von der EAT-Lancet-Kommission empfohlen wird, ist nicht nur gut für die menschliche Gesundheit, sondern hat auch positive Effekte auf die Umwelt und das Klima. Im diesjährigen Bericht wurde neben den Umweltaspekten auch soziale Gerechtigkeit berücksichtigt. Das Ziel sollte sein, dass alle Menschen sich eine gesunde Ernährung leisten können.

Die Berücksichtigung von Gerechtigkeitsaspekten kann maßgeblich zum Erfolg von Politikmaßnahmen beitragen. Entsprechend ist Gerechtigkeit gleichzeitig Ziel und Voraussetzung einer erfolgreichen Ernährungstransformation. Auch Wechselwirkungen von Politikmaßnahmen sollten berücksichtigt werden und z. B. die Bereiche Gesundheit, Umwelt/Nachhaltigkeit und sozialer Ausgleich zusammen gedacht werden.

Dafür braucht es ein Bündel an politischen Maßnahmen. Zum Beispiel könnten Mehrwertsteuererhöhungen auf ungesunde Lebensmittel (Zuckerhaltige Getränke; Fleisch) mit Mehrwertsteuersenkungen auf gesunde Lebensmittel (Obst & Gemüse) kombiniert werden. Diese Maßnahme hätte positive Effekte auf die Gesundheit, das Klima und die Umwelt und gleichzeitig würde der Effekt auf die Preissteigerung der Lebensmittel ausgeglichen.

Gleichzeitig geht es bei der Bezahlbarkeit von Lebensmitteln nicht nur darum, die Lebensmittelpreise zu senken. Ziel ist, beispielsweise durch Mindestlohn oder andere soziale Sicherungssysteme, die Kaufkraft der Menschen zu erhöhen, damit sie sich gesunde Lebensmittel leisten können, und gleichzeitig diejenigen, die sie produzieren, fair bezahlt werden. Wichtig ist auch, die „Ernährungsumgebung“ so zu gestalten, dass Menschen eher zu gesünderen Produkten greifen (z. B. durch Marketing oder Regulierung von Marketing).

Wie sprechen wir über die Zukunft, ohne zu demotivieren?

Unsere Aufgabe als Wissenschaftlerinnen ist es zu verstehen, welche Auswirkungen unsere Produktionssysteme und unser Konsumverhalten für Gesellschaft, Umwelt oder die Wirtschaft haben. Und wie sich verschiedene Indikatoren in diesen Bereichen unter verschiedenen möglichen Zukunftsszenarien verändern könnten. Am Ende entscheiden Politik und Gesellschaft, ob und wie die analysierten Maßnahmen umgesetzt werden.

Die Zukunftsszenarien des EAT-Lancet-Berichts beschreiben eine solche Zukunft. Es ist eine positive Zukunftsvision, in der die Menschen sich gesünder ernähren, Gerechtigkeit in den Mittelpunkt gestellt und die Umwelt weniger belastet wird.

Die Forschung hat gezeigt, dass es möglich ist, eine nachhaltige und gerechte Zukunft zu gestalten, wenn an den richtigen Stellschrauben gedreht wird. Es ist wichtig, dass die Kommunikation für die Wissenschaft als Übersetzerin fungiert, um diese positiven Szenarien greifbar zu machen und sie der Gesellschaft näherzubringen, damit die Menschen motiviert bleiben.


Es ist möglich, sich vegetarisch gesund und ausgewogen zu ernähren

Martin Smollich

Prof. Dr. Peter von Philipsborn

Leitung des Lehrstuhls für Public Health Nutrition, Universität Bayreuth

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Die überwiegend pflanzenbasierte Planetary Health Diet deckt sich weitgehend mit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Beide betonen, dass Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte sowie Nüsse und Samen den Hauptteil unserer Nahrung ausmachen sollten. Ein Unterschied besteht darin, dass die DGE einen etwas höheren Milchkonsum empfiehlt.

Fleisch nur in Maßen

Auch Fleisch kann Teil einer ausgewogenen Ernährung sein, sollte aber nicht in zu großen Mengen verzehrt werden – die DGE empfiehlt maximal 300 Gramm pro Woche. Auch die Planetary Health Diet sieht eine ähnliche Obergrenze vor.

Es ist aber auch möglich, sich vegetarisch gesund und ausgewogen zu ernähren – Fleisch ist also kein Muss. Tatsächlich ist der aktuelle Fleischkonsum in Deutschland im Schnitt deutlich höher als empfohlen. Menschen, die viel Fleisch essen, können gesundheitlich profitieren, wenn sie Fleisch durch gesunde pflanzliche Lebensmittel ersetzen.

Planetary Health Diet könnte Treibhausgasemissionen halbieren

Eine stärker pflanzenbasierte Ernährung bietet Vorteile für die Umwelt. Ein Viertel bis ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen sind auf die menschliche Ernährung zurückzuführen. Durch eine pflanzenbetonte Ernährung entsprechend den Empfehlungen der Planetary Health Diet ließen sich die ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen halbieren, so wird geschätzt. Auch 10 bis 20 Prozent aller Todesfälle weltweit ließen sich dadurch vermeiden – bei gleichzeitiger Verbesserung des Tierwohls.

Für pflanzliche und tierische Nahrungsmittel gilt gleichermaßen: frische und gering verarbeitete Produkte sind meist gesünder als hoch verarbeitete Lebensmittel, die oft viel Zucker, Salz und Fett und nur wenig gesunde Inhaltsstoffe enthalten. Allerdings gibt es auch bei den verarbeiteten Lebensmitteln große Unterschiede. Hier kann der Nutri-Score helfen, gesündere von weniger gesunden Produkten zu unterscheiden.


Was bedeutet die Planetary Health Diet für die Landwirtschaft in Deutschland?

Martin Smollich

Dr. Ferike Thom

Agrarökonomin am Thünen-Institut, Institut für Betriebswirtschaft
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Im Grunde besteht meine Arbeit aus Wenn-Dann-Fragen. Ich schaue mir an: Wenn ich diese oder jene Stellschraube im Ernährungssystem verändere, was passiert dann mit den anderen Faktoren? Es ist wie eine komplexe Maschine, in der alle Zahnrädchen in Beziehung zueinander stehen.

Die Planetary Health Diet bedeutet für die Landwirtschaft in Deutschland vor allem eine reduzierte Nachfrage nach tierischen Produkten, insbesondere nach Fleisch, Milchprodukten und Eiern. Das hat regionale Auswirkungen, wie zum Beispiel weniger Gülle und Nitratbelastung, beeinflusst aber auch weltweite Handelsdynamiken. Wenn wir in Deutschland deutlich weniger Fleisch essen, aber genauso viel produzieren und entsprechend mehr exportieren würden, könnte das in anderen Ländern zu sinkenden Fleischpreisen führen und dort den Fleischkonsum wiederum ankurbeln. Wenn jedoch deutsche Exporte stattdessen einen Teil der Produktion ersetzen, könnte das unter Umständen auch einen positiven Klimaeffekt haben. Die Fleischproduktion bei uns ist nämlich aktuell klimaeffizienter als in vielen anderen Ländern.

Eine der größten Herausforderungen ist die teilweise Umstellung der Produktionsmethoden: mehr Obst und Gemüse oder eiweißreiche Hülsenfrüchte, weniger Tiere und damit auch weniger Futtermittel. Dabei ist es wichtig, die regionalen Gegebenheiten zu berücksichtigen, da nicht alle Flächen für alle Pflanzen geeignet sind. Ein Großteil der globalen Anbauflächen wird heute für Futtermittel genutzt. Wenn wir in Deutschland weniger Fleisch essen, verringern wir damit deutlich den Flächenverbrauch, auch wenn die frei werdenden Flächen nicht alle in Deutschland liegen.

Welche Faktoren spielen noch eine Rolle?

Aktuell rechnen wir in unserem Modell vor allem mit den Rohprodukten, die die landwirtschaftlichen Betriebe verkaufen. Ich arbeite im Moment daran, noch genauer abzubilden: Was passiert eigentlich zwischen diesem Schritt und der fertigen Mahlzeit auf unserem Teller? Wir essen ja nicht den Weizen, sondern die Nudeln in der Kantine oder den Burger im Schnellrestaurant. Wenn wir über Ernährungsänderungen sprechen, müssen wir auch auf Ebene der tatsächlichen Lebensmittel und Mahlzeiten denken.

Lebensmittelabfälle sind auch ein wichtiger Hebel für Klima und Umwelt. In Deutschland wird ein beträchtlicher Anteil der Lebensmittel in Haushalten weggeworfen. Wir könnten die Bilanz zum Beispiel auch verändern, wenn wir Tiere anders verwerten. Aktuell sieht es häufig so aus: Von der Kuh landen die Edelteile auf dem Teller und ein anderer Teil im Hundenapf. Wir könnten mit einem Rind mehr Menschen ernähren, wenn wir das Tier ganz essen. Am Ende ist es dem Klima egal, ob und von wem der Apfel oder die Kuh gegessen wird; es zählt, wie viele Ressourcen sie verbraucht haben.


Vor der Umstellung des Ernährungssystems muss die Umstellung der Landwirtschaft stehen

Martin Smollich

Britta Klein

Bundeszentrum für Ernährung (BZfE), Referat 613 – Ernährung und Klima

Was bedeutet die Planetary Health Diet für die Landwirtschaft?

Eine grundlegende Umstellung der Ernährungsweise ist alternativlos. Die PHD kommt mit ihren Modellrechnungen den neuen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) recht nahe. Die Ess-Realität sieht jedoch anders aus, nicht nur in Deutschland isst fast niemand so.
Die Möglichkeiten und Hindernisse für die Landwirtschaft wurden lange Zeit vollkommen vergessen. Zuerst muss man betrachten, ob und wie schnell all diese Empfehlungen im Sinne einer möglichst regionalen Ernährung auf deutschen Äckern überhaupt umzusetzen wären. Sonst geraten wir zum einen in ein Empfehlungsdilemma, denn die Empfehlung für regionale Ernährung wäre noch schlechter umzusetzen, als sie es zum Teil ohnehin schon ist. Zum anderen müssten wir sehr viel importieren.

Dafür brauchen wir Zeit! Aktuell werden auf Dreiviertel des deutschen Ackerlandes sechs Kulturpflanzen angebaut, vor allem Weizen, Mais, Gerste und Raps – und die in einem großen Umfang für den Futtertrog. Gemüse belegt nur ungefähr ein Prozent der Fläche. Fazit: Weniger Anbau für den Futtertrog und mehr für die menschliche Ernährung.

Was muss passieren, damit die Umstellung gelingt?

Unsere Landwirtschaft braucht viel Vorlauf, um den Anbau umgestalten zu können. Welche Anbauflächen sind überhaupt für den Anbau von Gemüse geeignet? Beispielsweise ist es in Teilen Bayerns mit einem hohen Grünland-Anteil nicht so ohne weiteres möglich, deutlich mehr Obst, Salat oder Gurken anzupflanzen. Und wir wollen ja auch Dauergrünland erhalten – schon zum Schutz der Artenvielfalt und des Klimas. Nuss- und Obstbäume müssten gepflanzt werden, die brauchen teilweise viel Zeit, bis sie tragen.

Wenn wir regionale Wirtschaftskreisläufe anstreben, dann wird es also kurz- und mittelfristig eng. Wenn sich sehr viele Verbraucher in kurzer Zeit umorientieren, würden sie vermutlich vor leeren Supermarktregalen stehen. Der Selbstversorgungsgrad beim Gemüse liegt aktuell bei etwas über 30 Prozent, beim Obst gerade mal bei 20 Prozent. Das bedeutet, mit dem Obst, das wir hierzulande produzieren, kann gerade mal ein Fünftel der Bevölkerung ernährt werden.

Vermutlich würde es nicht allzu lange dauern, bis uns die „Global Player“ wie China mit den fehlenden Äpfeln, Beeren, Nüssen oder Gemüse beliefern würden. Für das Vorantreiben einer klimafreundlichen, regionalen, standortangepassten Landwirtschaft hier in Deutschland wäre dieses Szenario aber kontraproduktiv.

Gibt es eine Lösung?

Wie wahnsinnig nah und bedrohlich die Klimakrise auch für die Versorgung mit Lebensmitteln ist, ist vielen Verbrauchern bisher nicht klar. Der Zusammenhang zwischen tierischen Lebensmitteln und deren Klimawirkung ist einigen sehr bewusst, vielen aber eher egal. Wir stellen mehr und mehr fest: Die Menschen verzichten vor allem aus gesundheitlichen Gründen auf Fleisch. An zweiter Stelle kommen Tierwohl und Tierschutz und erst an dritter Stelle das Thema Nachhaltigkeit und Klima.

Und auch eine sogenannte ‚Tierschutzsteuer’ würde (laut einer Umfrage der Universität Hamburg) von den Verbrauchern viel eher akzeptiert werden als eine ‚Klimasteuer‘. Auch ein Klimasiegel halte ich nicht für wirklich nützlich. Es gibt noch kein überzeugendes Modell dafür, wie so etwas aussehen müsste, um verlässliche Orientierung zu geben.


Biohof oder konventioneller Milchviehbetrieb – wer liegt beim Klimacheck vorn?

Martin Smollich

Dr. Monika Zehetmeier

Agrarwissenschaftlerin an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Arbeitsgruppe Klimawirkung und Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Systeme

„Bei der Produktion von Milch entstehen auch Treibhausgase in Form von Methan, Lachgas und CO2. Doch es gibt Möglichkeiten, diese Emissionen mit Hilfe von Klimaschutzmaßnahmen zu minimieren. Entscheidender als die Frage, ob ein Betrieb nach Biostandards produziert oder ganz konventionell arbeitet, ist vielmehr das Engagement des einzelnen Landwirts. Also die Bereitschaft, sich Gedanken zu machen über Kreisläufe und Einsparmöglichkeiten von Treibhausgasen.

Mithilfe des Online-Klimachecks der LfL können Landwirte die größten Hebel für den Klimaschutz auf ihrem Betrieb ermitteln. Eingegeben wird dabei beispielsweise die durchschnittliche Milchleistung der Kühe, die verbrauchten Mineraldünger-Mengen, wie oft das Gras gemäht wurde und auch, wie alt die Kühe sind, bevor sie geschlachtet werden. All diese Faktoren wirken sich auf den ökologischen Fußabdruck des Betriebes aus. Und so können Landwirte ermitteln, wie viel Treibhausgase pro Liter Milch oder pro Kilo Fleisch bei ihnen anfallen. Und dabei ist es oft so, dass ganz unterschiedliche Betriebstypen gut abschneiden.“

Zum „LfL Klima-Check Landwirtschaft“ Tool

Prof. Dr. med. Hans Hauner hat die Frage beantwortet, ob Pflanzendrinks aus gesundheitlicher Sicht als Milchersatz taugen. Die Antwort steht hier: https://www.ernaehrungsradar.de/milch/debatte-milch/#taugen-pflanzendrinks-als-milchersatz


Planetary Health Diet – Was lässt sich regional wirklich umsetzen?

Martin Smollich

Prof. Dr. Hannelore Daniel


Prof. em. für Ernährungsphysiologie an der Technischen Universität München; wissenschaftliche Beraterin
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„Die Empfehlungen der EAT-Lancet-Kommission zur Planetary Health Diet (PHD) sind natürlich nur als Rahmen zu verstehen und bieten bzw. verlangen spezifische Anpassungen an die Bedingungen in einem Land, einer Region oder an eine Bevölkerungsgruppe. Besonders im öffentlichen Diskurs wird jedoch die PHD häufig so verstanden, dass die Zufuhrmengen für einzelne Lebensmittel bzw. Lebensmittelgruppen – wie ausgewiesen – umgesetzt werden sollten. Die empfohlenen Verzehrmengen der verschiedenen Lebensmittelgruppen – würde man sie in Deutschland umsetzen wollen – würden markante Konsequenzen für das gesamte Versorgungssystem haben. Ich nehme die Beispiele 300 g Gemüse, 200 g Obst, 75 g Leguminosen (Hülsenfrüchte) und 50 g Nüsse pro Tag. Der Selbstversorgungsgrad in Deutschland liegt derzeit bei Obst bei 20 %, bei Gemüse bei 37 %, bei Leguminosen bei 62 % und bei Nüssen praktisch bei null.

Planetary Health Diet nur mit mehr Importware umsetzbar

Dies bedeutet, dass wir mit einem Anteil pflanzlicher Lebensmittel von gegenwärtig 70 Prozent in der Kost auf umfangreiche Importe aus diversen Weltregionen angewiesen sind. Viele dieser Anbauregionen wie beispielsweise Apulien in Italien, die Küstenregionen in Südspanien oder auch Südamerika haben bereits heute Probleme mit der Wasserversorgung, mit diversen Umweltbeeinträchtigungen sowie mit vielfach prekären Lebensbedingungen für die Erntehelfer.

Das Szenario einer Umsetzung der PHD mit den oben genannten Mengen von Obst, Gemüse, Leguminosen und Nüssen würde bedingen, dass wir die doppelte Menge an Gemüse (ca. 7,45 Mio. Tonnen), die 4,7-fache Menge an Obst (ca. 6,2 Mio.) Tonnen, die 3,3-fache Menge an Hülsenfrüchten (ca. 1,86 Mio. Tonnen) und rund 1,24 Millionen Tonnen Nüsse bereitstellen müssten. Bereits heute importieren wir rund 460.000 Tonnen Nüsse pro Jahr (Statista). Diese Abschätzungen basieren auf dem zu erwartenden Konsum nur durch Erwachsene (im Alter von 20 bis 69 Jahren), ohne Senioren und Kinder, und sind damit unterschätzende Mengen.

Es ließen sich jedoch durch den deutlich reduzierten Konsum von tierischen Produkten recht große Ackerflächen für den Anbau von z. B. Leguminosen freisetzen, die uns von Importen unabhängig machen würden. Auch beim Gemüse (mit saisonaler Ernte der Frischware) mag ein höherer Selbstversorgungsgrad ermöglicht werden. Dennoch werden wir vermutlich sehr viel größere Mengen als bisher an Obst, Gemüse und Nüssen importieren müssen und verlagern damit einen Teil der Umweltprobleme in die Lieferländer.

Umstrukturierung des Lebensmittelsystems notwendig

Dies lässt sich weder mit dem Anspruch der Nachhaltigkeit und dem Ziel einer gerechteren Welt vereinbaren, noch wird man damit ein resilienteres Ernährungssystem schaffen. Aus meiner Sicht bedarf es daher dringend einer nationalen, umfassenden und konkreten Strategie, das Lebensmittelsystem zu transformieren – und diese muss sehr viel mehr Dimensionen sowie Einfluss- und Effektgrößen berücksichtigen. Es geht um sehr viel mehr als nur darum, tierische Produkte zu substituieren.“

Der Selbstversorgungsgrad in Deutschland

Infografik, die zeigt, dass Deutschland im Jahr 2023 sich selbst mit Fleisch, Milch, Kartoffeln, Zucker und Getreide versorgen konnte, aber nicht mit Gemüse, Obst, Eiern und Honig.
Quelle: Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL)

Bei Obst konnte 2023 der Bedarf in Deutschland gerade mal zu einem Fünftel aus heimischer Erzeugung gedeckt werden. Knapp doppelt so hoch lag der Anteil bei Gemüse. Anders sieht es bei Kartoffeln aus: Hier lag der Selbstversorgungsgrad 2023 bei 155 Prozent. Auch bei Zucker, Fleisch, Milch und Getreide übersteigt die Erzeugung den Bedarf.

Aus welchen Ländern stammt unser Obst?

Die Grafik zeigt vier bunte Kreisdiagramme, die zeigen, aus welchen Ländern wir Bananen, Äpfel, Orangen und Wassermelonen jeweils in welchen Mengen importieren.
Quelle: Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL)

Nur ein kleiner Teil des Obstes, das wir in Deutschland verbrauchen, wird hierzulande erzeugt, sodass große Mengen aus dem Ausland importiert werden müssen. Das mit Abstand wichtigste Importobst sind Bananen. Auf den weiteren Plätzen folgen Tafeläpfel, Orangen und Wassermelonen. Sie stammen zumeist aus Spanien oder Italien.

DGE-Podcast zur Planetary Health Diet

Titelbild der DGE-Podcast-Folge mit Prof. Watzl

Im DGE-Podcast redet Prof. Bernhard Watzl über individuelle Gesundheit, die Planetary Health Diet und darüber, wie die DGE zu ihren Empfehlungen kommt:

https://wie-wollen-wir-essen.podigee.io/3-folge3

Mehr zur Planetary Health Diet

Titelbild: udra11/stock.adobe.com

Stand: Dezember 2025

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