Was ist das beliebteste Getränk der Deutschen? Nein, es ist nicht Bier, sondern Kaffee.
Der Audio-Beitrag wurde von Helena Schmid von der Akademie für Neue Medien für den Ernährungsradar erstellt und im Februar 2026 veröffentlicht.
Die Deutschen lieben Kaffee und trinken so viel davon wie noch nie zuvor. Im Schnitt fast vier Tassen pro Tag (tagesschau 2023). Aber es gibt auch eine Grenze für den Kaffeekonsum. Kaffee enthält nämlich Koffein, und zwar nicht gerade wenig: Eine durchschnittliche Tasse Kaffee enthält ca. 90 mg Koffein; eine Dose eines handelsüblichen Energiegetränks ca. 80 mg Koffein.
Für einen gesunden Erwachsenen gilt eine Einzeldosis von 200 mg Koffein, ca. 3 mg pro kg Körpergewicht, als völlig unbedenklich. Das heißt, ein Cappuccino mit doppeltem Espresso ist locker noch drin. Jedoch sollten wir über den Tag verteilt nicht mehr als insgesamt 400 mg Koffein konsumieren (EFSA 2015). Deutsche sind also mit ihren durchschnittlichen 4 Tassen am Tag gerade noch so im empfohlenen Bereich.
Doch aufgepasst! Koffein kommt nicht nur in Kaffee vor. Natürlich zählen dort auch bestimmte Tee-Sorten, Cola-Getränke und Kakao dazu. Richtig gehört, auch ein Stück Schokolade muss in unseren täglichen Koffeinkonsum eingerechnet werden. Doch der Anteil ist verschwindend gering. Eine ganze Tafel Zartbitterschokolade enthält genau so viel Koffein wie eine Tasse Kaffee. Wie viel Koffein eine Tasse Kaffee tatsächlich enthält, hängt auch von der Sorte und der Zubereitungsmethode des Kaffees ab. Die angegebenen 90 mg pro Tasse sind nur ein Durchschnittswert (EFSA 2015).
Nicht für Schwangere, Kinder und Kranke
Diese Empfehlungen gelten jedoch nicht für Schwangere, Kinder und vorerkrankte Menschen. Denn die Halbwertszeit von Koffein, also nach wie viel Zeit ca. 50 % des gesamten aufgenommenen Koffeins abgebaut wird, hängt von vielen Faktoren wie Alter und Körpergewicht, aber auch der Einnahme von Medikamenten und der Gesundheit der Leber ab.
Im Schnitt liegt die Halbwertszeit jedoch bei ca. 4 Stunden, auch für Kinder. Diese vertragen Koffein nämlich genauso gut wie Erwachsene, jedoch ist aufgrund ihres Körpergewichts die maximale Höchstdosis viel geringer. Deswegen sollte man den Koffeinkonsum von Kindern begrenzen.
Auch Schwangere müssen aufpassen, denn Koffein kann die Entwicklung des ungeborenen Kindes stören (EFSA 2015).
Was passiert, wenn man zu viel Kaffee konsumiert?
Die meisten von euch trinken wahrscheinlich ihre erste Tasse am Morgen, um wach und fit in den Tag zu starten. Koffein gibt uns Energie und hilft uns dabei, fokussierter zu sein. Auch unter Sportlern sind koffeinhaltige Getränkte beliebt, denn sie unterstützen unsere Ausdauer und verstärken unsere Muskelkraft (Guest et al. 2021). Außerdem zeigen neueste Studien, dass Koffein die Fettverbrennung anregt und beim Abnehmen helfen kann (Antonio et al. 2024).
Unter den negativen Auswirkungen von Koffein treten am häufigsten Symptome wie Schlafstörungen, erhöhte Ängstlichkeit und Verhaltensänderungen auf. Auf lange Sicht wirkt sich übermäßiger Koffeinkonsum auch auf unser Herz-Kreislauf-System aus und wird auch mit einem verminderten Wachstum des Fötus bei Schwangeren in Verbindung gebracht (EFSA 2015).
Gesundheitliche Vorteile des Kaffeetrinkens
Zum Glück besteht Kaffee nicht nur aus Koffein. Die Kaffeebohne besteht aus einer komplexen Mischung einer Vielzahl von organischen Verbindungen. Diese kommen zum Teil auf natürliche Weise in der Bohne vor, oder entstehen bei chemischen Reaktionen beim Rösten und Kochen. Für die Gesundheit wichtig sind die Vielzahl an Phenolen, die neben dem einzigartigen Geschmack auch antioxidative Wirkungen haben (Nieber 2017). Dazu gehören beispielsweise auch verschiedene Chlorogensäuren, die aufgrund ihrer antientzündlichen Eigenschaften in der Krebsprävention eine Rolle spielen (Murai & Matsuda 2023). Außerdem enthält Kaffee Vitamin B3, Magnesium und Kalium (Nieber 2017).
Diese Mischung aus gesundheitsförderlichen Substanzen führt beispielsweise zum Schutz unseres Herz-Kreislauf-Systems. Doch nur solange wir mit unserem Koffeinhaushalt im grünen Bereich bleiben, denn zu viel Koffein würde wie bereits erwähnt im Umkehrschluss wieder das Gegenteil bewirken.
Des Weiteren haben Forschende entdeckt, dass Kaffeetrinkende ein viel geringeres Risiko haben, an chronischen Lebererkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen und entzündlichen Erkrankungen zu leiden (Nieber 2017, Murai & Matsuda 2023).
Kaffee hat auch positive Auswirkungen auf unser Darmmikrobiom. Bei Menschen, die viel Kaffee trinken, wurden weniger schädliche Bakterien wie Escherichia coli und verschiedene Clostridien-Spezies gefunden und vermehrte Lactobazillen und Bifidobakterien, die sehr gesundheitsförderlich sind (Iriondo-DeHond et. al 2021).
Risiken des Kaffeekonsums
Manche Menschen stehen dem gerösteten Kaffee kritisch gegenüber. Denn beim Erhitzen von organischen Substanzen, also auch alle Lebensmittel, entstehen bei hohen Temperaturen Acrylamide, die krebserregend sind. Also eigentlich immer, wenn wir unser Essen rösten und es sich braun oder manchmal sogar schwarz verfärbt, entstehen diese Substanzen. Diese erhöhen das Krebsrisiko in den Geweben unseres Verdauungstraktes. Ein klassisches Beispiel wäre hier der Darmkrebs. Exzessiver Kaffeekonsum könnte theoretisch ja auch krebserregend sein. Doch dieser Effekt konnte von der Wissenschaft bisher nicht bestätigt werden. Eine Vermutung ist, dass die gesundheitsfördernden Substanzen im Kaffee die krebserregende Wirkung aufheben (Iriondo-DeHond et. al 2021).
Des Weiteren gibt es mehrere Studien, die darauf hindeuten, dass Kaffee die Nährstoffaufnahme im Darm hemmt. Schuld daran sind die bereits besprochenen Phenole. Diese können nämlich die Aufnahme von Eisen im Darm vermindern (Teng et al. 2021, Nanri et al. 2023). Außerdem werden durch die harntreibende Wirkung vermehrt wasserlösliche Nährstoffe wie Calcium und B-Vitamine ausgeschieden (Reuter et al. 2021, Ulvik et al. 2008).
Koffeinfreier Kaffee als Lösung?
Zusammenfassend kann man jedoch sagen, dass Kaffee eine Vielzahl an positiven Auswirkungen für unsere Gesundheit hat. Negative Aspekte werden hauptsächlich von der Wirkung des Koffeins hervorgerufen.
Wäre also entkoffeinierter Kaffee die Lösung? Theoretisch schon. Doch viele Menschen mögen den Geschmack nicht besonders, da beim Entkoffeinieren einige Aromastoffe herausgefiltert werden. Kaffeehersteller suchen bereits nach neuen Methoden, um den Verlust des Aromas zu vermeiden.
Zudem ist die gängigste Methode, Kaffee zu entkoffeinieren, die Bohnen mit Dichlormethan zu behandeln (Umakanthan & Madhu Mathi 2022). Diese Chemikalie ist in hohen Konzentrationen gesundheitsschädlich (Carl Roth 2024). Deswegen haben manche Menschen Bedenken, dass entkoffeinierter Kaffee schädlich für unsere Gesundheit sein könnte. Jedoch wurde eine genaue gesetzliche Grenze für den Gehalt an Dichlormethan in Lebensmitteln festgelegt. Denn natürlich können nach dem Prozess immer Rückstande dieser Chemikalie in den Produkten gefunden werden (Clean Label Project 2023). Doch der gesetzlich festgelegte Grenzwert liegt weit unter der Konzentration an Dichlormethan, die gesundheitsschädliche Auswirkungen haben kann (EU 2023). Und das wird in den Unternehmen sowie von externen Prüflaboren strengstens kontrolliert.
Das heißt, man kann entkoffeinierten Kaffee ohne Bedenken zu sich nehmen und von den gesundheitsfördernden Eigenschaften des Kaffees profitieren, ohne sich Gedanken um das Koffein machen zu müssen.
Literatur
Antonio et al. (2024): Common questions and misconceptions about caffeine supplementation: what does the scientific evidence really show? J Int Soc Sports Nutr 21(1):2323919
Carl Roth (2024): Sicherheitsdatenblatt Dichlormethan
Clean Label Project (2023): More Methylene Chloride
EFSA – Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (2015): EFSA erklärt Risikobewertung: Koffein
EU – European Union (2023): Directive 2009/32/EC of the European Parliament and of the Council of 23 April 2009 on the approximation of the laws of the Member States on extraction solvents used in the production of foodstuffs and food ingredients
Guest et al. (2021): International society of sports nutrition position stand: caffeine and exercise performance. J Int Soc Sports Nutr 18(1):1
Iriondo-DeHond et al. (2021): Interest of Coffee Melanoidins as Sustainable Healthier Food Ingredients. Front Nutr 8:730343
Murai T & Matsuda S (2023): The Chemopreventive Effects of Chlorogenic Acids, Phenolic Compounds in Coffee, against Inflammation, Cancer, and Neurological Diseases. Molecules 28(5):2381
Nanri et al. (2023): Association between green tea and coffee consumption and body iron storage in Japanese men and women: a cross-sectional study from the J-MICC Study Saga. Front Nutr 10:1249702
Nieber K (2017): The Impact of Coffee on Health. Georg Thieme Verlag KG Stuttgart, New York
Reuter et al. (2021): The effect of high-dose, short-term caffeine intake on the renal clearance of calcium, sodium and creatinine in healthy adults. Br J Clin Pharmacol 87(11):4461–4466
tagesschau (2023): Konsum auf Rekordstand: Es wird wieder mehr Kaffee getrunken
Teng et al. (2021): Effects of dietary polyphenol supplementation on iron status and erythropoiesis: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Am J Clin Nutr 114(2):780–793
Ulvik et al. (2008): Coffee consumption and circulating B-vitamins in healthy men and women. Clinical chemistry 54(9):1489–1496
Umakanthan & Madhu Mathi (2022): Decaffeination and improvement of taste, flavor and health properties of coffee: methods and effects. Food Res Int 8(11):e11338
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