Die Ernährungsempfehlungen für Deutschland wurden im März 2024 rundum aktualisiert. Wir geben einen Überblick, was die neuen von den alten Empfehlungen unterscheidet, warum sie überarbeitet wurden, und welche Daten ihnen zugrunde liegen.
Kurz gesagt
- Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat im März 2024 neue Ernährungsempfehlungen herausgegeben.
- Empfohlen wird eine pflanzenbetonte Ernährungsweise, bestehend aus 75 Prozent pflanzlichen und 25 Prozent tierischen Lebensmitteln.
- Die Empfehlungen basieren auf einem mathematischen Modell, dass Verzehrsgewohnheiten, Nährstoffbedarfe sowie Gesundheits- und Umweltaspekte berücksichtigt. Ziel ist eine ausgewogene und gleichzeitig umweltschonende Ernährung.
Inhalt
- Warum wurden die Ernährungsempfehlungen aktualisiert?
- Worin liegen die Hauptunterschiede zu den bisherigen Empfehlungen?
- Der neue DGE-Ernährungskreis
- Was ist die Datengrundlage für die neuen Ernährungsempfehlungen?
- Was unterscheidet die DGE-Empfehlungen von der Planetary Health Diet?
- Kritik an den DGE-Empfehlungen
- Fazit
- Weiterführende Links
- Nachweise
Warum wurden die Ernährungsempfehlungen aktualisiert?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) hat die lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen für Deutschland überarbeitet (DGE 2024a/b), um den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlichen Entwicklungen gerecht zu werden. Die aktualisierten Empfehlungen, veröffentlicht unter dem Titel „Gut essen und trinken“ (DGE 2024c), basieren auf einem neu entwickelten mathematischen Modell, das Verzehrsgewohnheiten, Nährstoffbedarfe sowie Gesundheits- und Umweltaspekte gleichzeitig berücksichtigt (Schäfer et al. 2024). Dabei liegt der Fokus auf einer ausgewogenen und zugleich nachhaltigen Ernährung.
Zentrales Ergebnis der Neuerungen ist eine stärkere Betonung pflanzlicher Ernährung: Über 75 Prozent unserer Nahrung sollten aus pflanzlichen Quellen stammen. Pflanzliche Lebensmittel sind nicht nur förderlich für die menschliche Gesundheit, sondern auch umweltfreundlicher im Vergleich zu tierischen Produkten wie Fleisch und Milch, die in der Regel einen größeren ökologischen Fußabdruck haben. Weniger Fleischkonsum bedeutet konkret weniger Treibhausgasemissionen und eine geringere Belastung unserer Ökosysteme. (Mehr Informationen und Grafiken zum ökologischen Fußabdruck gibt es in unseren Wissenshäppchen zur Planetary Health Diet. )
Die neuen Empfehlungen sind in den überarbeiteten DGE-Richtlinien verankert, die die bisherigen 10 Regeln der DGE ersetzen und sich im aktualisierten DGE-Ernährungskreis widerspiegeln (DGE 2024d).
Was sagen Ernährungsfachkräfte zu den neuen DGE-Empfehlungen?
In der Debatte kommen verschiedene Expertinnen und Experten zu Wort
Wie häufig sollen zukünftig die Ernährungsempfehlungen überarbeitet werden?
Die Häufigkeit der Überarbeitung der DGE-Empfehlungen hängt stark von der Verfügbarkeit, Qualität und Repräsentativität neuer wissenschaftlicher Daten ab. Damit die Empfehlungen aktuell und relevant bleiben, ist es wichtig, dass sie regelmäßig überprüft und angepasst werden. Laut Einschätzung der DGE sollte eine Überarbeitung etwa alle fünf Jahre erfolgen (BZfE 2024). Dies ermöglicht es, neue repräsentative Verzehrsdaten für Deutschland zu berücksichtigen und die Empfehlungen gegebenenfalls entsprechend anzupassen.
Auch international, wie zum Beispiel in den USA, werden nationale Ernährungsempfehlungen im Fünf-Jahres-Rhythmus aktualisiert. Für die aktuell (Februar 2026) gültigen „Dietary Guidelines for Americans“ liegt der Fokus auf „eat real food“ (möglichst unverarbeitete Lebensmittel) und einer deutlichen Reduktion stark verarbeiteter Produkte sowie zugesetztem Zucker. Gleichzeitig wird eine höhere Proteinzufuhr (1,2–1,6 g/kg Körpergewicht/Tag) genannt (USDA 2026).
Für wen sind die aktualisierten Ernährungsempfehlungen gedacht?
Die lebensmittelbezogenen Empfehlungen der DGE sind für gesunde Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren mit einem durchschnittlichen Energiebedarf von 2.000 Kilokalorien pro Tag (DGE 2024b) gedacht, die eine Mischkost bevorzugen, also pflanzliche und tierische Lebensmittel wie Fleisch und/oder Fisch essen. Die überarbeiteten Empfehlungen berücksichtigen auch die Bedürfnisse von Menschen, die sich vegetarisch ernähren. Für vegan lebende Menschen hat die DGE 2024 ein Positionspapier veröffentlicht (siehe Klug & Barbaresko et al. 2024).
Bei bestehenden Erkrankungen (z. B. Adipositas, Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen) ersetzen die Empfehlungen keine individuelle Ernährungstherapie; hier sollten indikationsspezifische Leitlinien und die Beratung durch qualifizierte Fachkräfte herangezogen werden (Watzl et al. 2025).
Worin liegen die Hauptunterschiede zu den bisherigen Empfehlungen?
Neuerungen in den Ernährungsempfehlungen zeigen sich besonders deutlich bei den Lebensmittelgruppen Milch und Milchprodukte sowie Fleisch und Wurst (Oberritter et al. 2013, Schäfer et al. 2024):
| Die neue Empfehlung lautet, täglich zwei Portionen Milch und Milchprodukte mit insgesamt 500 Gramm zu essen – eine Portion weniger als in früheren Empfehlungen. |
| Auch der Fleisch- und Wurstverzehr wurde angepasst und liegt nun bei maximal 52 Gramm pro Tag bzw. maximal 300 Gramm pro Woche, im Vergleich zu vorherigen 300–600 Gramm pro Woche. |
| Zudem rücken Hülsenfrüchte (früher bei „Gemüse“) sowie Nüsse (früher bei „Obst“) durch die Einführung eigener Kategorien stärker in den Fokus. Empfohlen wird ein Verzehr von 125 Gramm Hülsenfrüchten (z. B. Erbsen, Bohnen Linsen) pro Woche und 25 Gramm Nüssen täglich. |
| Bei Obst und Gemüse lautet die Empfehlung nach wie vor, täglich mindestens 5 Portionen zu verzehren. Allerdings werden keine spezifischen Vorgaben mehr gemacht, wie viele Portionen davon Gemüse und wie viele Obst sein sollen. |
| Laut den DGE-Empfehlungen ist der Konsum eines Eis pro Woche, beispielsweise als Frühstücksei, vorgesehen. Hinzu kommen Lebensmittel, die verarbeitete Eier enthalten, wie etwa Nudeln oder Kuchen. |
| Neu ist auch die Empfehlung, den Konsum von süßen, salzigen und fettigen Lebensmitteln auf maximal 8 Prozent der täglichen Energieaufnahme zu begrenzen. |
Eine grafische Gegenüberstellung der Unterschiede zwischen alten und neuen DGE-Regelungen finden Sie hier:

Folgende Tabelle zeigt Orientierungswerte für die einzelnen Lebensmittel für gesunde Erwachsene (zwischen 18 und 65 Jahren) mit einem Energiebedarf von ca. 2.000 kcal pro Tag, die sowohl pflanzliche als auch tierische Lebensmittel essen (Mischkost). Quelle: https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gut-essen-und-trinken/dge-ernaehrungskreis/
Lebensmittelgruppe | Wie viel? |
|---|---|
Obst & Gemüse | 5 Portionen / 550 g pro Tag |
Säfte | 200 ml pro Woche |
Hülsenfrüchte | 125 g gekocht (bzw. 70 g getrocknet) pro Woche |
Nüsse und Samen | 25 g pro Tag |
Kartoffeln | 250 g pro Woche |
Getreide, Brot, Nudeln, mind. 1/3 Vollkorn | 60 g pro Tag |
Pflanzliche Öle | 10 ml (1 EL) pro Tag |
Butter und Margarine | 10 g (1 EL) pro Tag |
Milch & Milchprodukte | 1 Glas Milch, 30 g Käse oder 150 g Joghurt pro Tag |
Fisch4) | 120 g pro Woche |
Fleisch (Rind, Schwein, Geflügel) | 120 g pro Woche |
Wurst | 30 g pro Woche |
Eier | 1 Stück pro Woche |
Der DGE-Ernährungskreis dient als Orientierungshilfe für eine ausgewogene und ökologisch nachhaltige Ernährung. Er betont die Bedeutung der Vielfalt und das angemessene Verhältnis der Lebensmittel zueinander, um eine optimale Nährstoffversorgung zu gewährleisten. Im Rahmen der Aktualisierung der lebensmittelbedingten Ernährungsempfehlungen für Deutschland wurde auch der DGE-Ernährungskreis überarbeitet und angepasst (DGE 2024d).

DGE-Ernährungskreis, Copyright: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V., Bonn, Stand 2024
Die Größe der Lebensmittelgruppen im Ernährungskreis spiegelt den empfohlenen Anteil an der Gesamternährung wider. Die DGE rät, die Vielfalt innerhalb der Lebensmittelgruppen zu nutzen und abwechslungsreich zu essen. Empfohlen werden Wasser oder ungesüßter Tee, 1,5 Liter pro Tag. Pflanzliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Getreide(produkte) und Kartoffeln sind die Grundlage einer gesunden Ernährung, da sie eine Vielzahl an Nährstoffen wie Kohlenhydrate, Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe bereitstellen. Pflanzliche Öle sollten bei der Fettzufuhr bevorzugt werden. Die Gruppen „Milch und Milchprodukte“ sowie „Fleisch, Wurst, Fisch und Eier“ sollten in kleinen Portionen den Speiseplan ergänzen: Eine ausgewogene Ernährung sollte sich idealerweise zu 75 Prozent aus pflanzlichen und 25 Prozent aus tierischen Lebensmitteln zusammensetzen.
Die aktualisierten Ernährungsempfehlungen gelten auch für eine vegetarische Ernährungsweise, die den Verzehr von Milch, Milchprodukten und Eiern einschließt. Anstelle von Fleisch, Wurst und Fisch wird dazu geraten, vermehrt auf Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, grünes Blattgemüse sowie Nüsse und Ölsaaten zu setzen. Falls pflanzliche Milchalternativen verwendet werden, sollte auf eine ausreichende Zufuhr von Calcium, Vitamin B2 und Jod geachtet werden.
Süße Snacks, fettreiche Leckereien und zuckerhaltige Getränke wurden bewusst ausgespart, da diese Lebensmittel viele Kalorien enthalten, aber nur geringe Mengen lebensnotwendiger Nährstoffe liefern. Bei einer ausgewogenen Kalorien- und Nährstoffbilanz steht dem gelegentlichen Genuss dieser Lebensmittel in moderaten Mengen nichts im Weg.
Vom Genuss alkoholischer Getränke rät die DGE ausdrücklich ab. Es gäbe keine risikofreie Menge für einen unbedenklichen Konsum und bereits kleine Mengen Alkohol führen zu einem erhöhten Gesundheitsrisiko: Über 200 negative gesundheitliche Folgen werden mit Alkoholkonsum in Verbindung gebracht, darunter die Entstehung von Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie Unfälle und Gewalt. Vor allem junge Menschen, Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende sollten auf Alkohol verzichten (DGE 2024e).
Was ist die Datengrundlage für die neuen Ernährungsempfehlungen?
Für die aktualisierten Ernährungsempfehlungen der DGE wurde ein mathematisches Optimierungsmodell entwickelt. Dieses berücksichtigt Gesundheitsaspekte (Lebensmittel-Gesundheits-Relationen und Energie- und Nährstoffzufuhr), Umweltfaktoren (Treibhausgasemissionen und Landnutzung) sowie die in Deutschland üblichen Konsumgewohnheiten von Lebensmitteln.
Bei der Ableitung der Empfehlungen wurde darauf geachtet, den herkömmlichen Lebensmittelverzehr in Deutschland möglichst wenig zu verändern, gleichzeitig aber den Nährstoffbedarf in der Bevölkerung zu decken und das Risiko ernährungsbedingter Krankheiten zu reduzieren. Dies sollte im Einklang mit der Vorgabe des Weltklimarates stehen, die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen, um einer Reduktion der Treibhausgasemissionen um 45 Prozent bis 2030 gerecht zu werden (Schäfer et al. 2024). Die mathematische Optimierungsmethodik nutzt als Grundlage verschiedene Datenbanken, darunter:
| Repräsentative Lebensmittelverzehrsdaten für Deutschland: Die Nationale Verzehrsstudie II (NVS II) von 2005–2007, die Verzehrserhebungsdaten von 18- bis 65-jährigen Personen einschließt. |
| Energie- und Nährstoffgehalte von Lebensmitteln: Der Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) in der Version 3.02, erweitert um Informationen zu freiem Zucker aus der Nährstoff- und Lebensmitteldatenbank LEBTAB. |
| Lebensmittel-Gesundheitsrelationen: Assoziationen zwischen dem Verzehr von Lebensmittelgruppen und dem Risiko für die Entstehung ernährungsmitbedingter Erkrankungen, gemessen in DALYs (engl. disability-adjusted life years). Ein DALY entspricht einem verlorenen gesunden Lebensjahr aufgrund von Krankheit. |
| Umwelteinflüsse und Umweltlast von Lebensmitteln: Ökobilanzdaten für Treibhausgasemissionen und Landnutzung aus der Europäischen „SHARP Indicators Database“ (siehe Mertens et al. 2019). |
Watzl et al. (2025) weisen darauf hin, dass im Modell neben Umweltindikatoren auch die Reduktion ernährungsmitbedingter Krankheitslast explizit als Ziel berücksichtigt wurde. Im Modell zeigt sich eine deutliche Verringerung von Erkrankungen im Vergleich zum üblichen Verzehr. Diese Ergebnisse beruhen jedoch auf Modellannahmen und Szenarien und stellen keine empirischen Nachweise aus Interventionsstudien dar.
Schäfer et al. (2025a) beschreiben den methodischen Rahmen, auf dessen Basis die DGE die Ernährungsempfehlungen abgeleitet hat. Drei Punkte sind für die Einordnung besonders hilfreich.
- Lebensmittelgruppen: Als Basis wurde die Lebensmittelklassifikation der EFSA – der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit genutzt (FoodEx2). Bestimmte Kategorien wurden für die Ableitung praktikabel nachgeschärft (z. B. Abgrenzung Vollkorn vs. raffiniertes Getreide, Definition von verarbeitetem Fleisch).
- Akzeptabilitätsgrenzen: Um realistische Verzehrsmuster zu erhalten, wurden für Lebensmittelgruppen Akzeptabilitätsgrenzen aus dem beobachteten Verzehr abgeleitet. Dadurch werden Extremlösungen vermieden, die zwar Nährstoffziele erfüllen, aber kulturell/praktisch unrealistisch wären.
- Zielfunktion & Nährstoffziele: Die Forschenden vergleichen unterschiedliche mathematische Formen, um die Abweichung vom beobachteten Verzehr zu minimieren sowie drei Varianten von Nährstoffziel‑Listen (u. a. Anpassung wenn Datenqualität begrenzt). In den Beispielrechnungen zeigte sich, dass die Wahl der Zielfunktion den Grad der Abweichung des Modell‑Speiseplans vom beobachteten Verzehr stark beeinflusst.
Basierend auf den eingespeisten Daten und Annahmen generiert der Optimierungsalgorithmus ein optimales Ernährungsmuster und ermöglicht eine transparente Ableitung von Empfehlungen. Eine besondere Stärke des Optimierungsalgorithmus liegt in seiner flexiblen Anpassungsfähigkeit, die es erlaubt, schnell auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu reagieren, indem der Algorithmus an veränderte Bedingungen adaptiert werden kann.
Zukünftig ist geplant, die Methodik weiterzuentwickeln, um zusätzliche Gesundheitsindikatoren wie potenzielle Schadstoffe in Lebensmitteln oder Umweltindikatoren wie Wasserverbrauch und Eutrophierungspotenzial (Eintrag von Nährstoffen in Gewässer) in den Algorithmus zu integrieren. Ebenso besteht die Absicht, die Methodik spezifisch für verschiedene Zielgruppen wie Kinder, Ältere und verschiedene Ernährungsweisen wie beispielsweise vegan anzupassen. Die DGE betont, dass Transparenz im Ableitungsprozess und eine nachvollziehbare Übersetzung wissenschaftlicher Grundlagen in Empfehlungen zentral für Vertrauen und Akzeptanz sind (DGE 2026).
Was unterscheidet die DGE-Empfehlungen von der Planetary Health Diet?
Die DGE-Ernährungsempfehlungen und die Planetary Health Diet (PHD) unterscheiden sich in der Herangehensweise auf mehreren Ebenen.
- Global versus National: Die PHD ist als globale Richtlinie konzipiert, um eine nachhaltige und gesunde Ernährung für die gesamte Weltbevölkerung zu fördern. Im Gegensatz dazu stellen die DGE-Empfehlungen nationale Verzehrsempfehlungen für Lebensmittel in Deutschland dar und sind speziell auf die Bedürfnisse und Gegebenheiten der deutschen Bevölkerung zugeschnitten.
- Zielgruppe: Die PHD gilt für alle Personen weltweit ab einem Alter von 2 Jahren, während sich die DGE-Empfehlungen an gesunde Erwachsene in Deutschland im Alter von 18–65 Jahren richten. Dadurch können die DGE-Empfehlungen genauer auf die Bedürfnisse dieser spezifischen Zielgruppe eingehen.
- Zeithorizont: Die PHD ist eine Modellierungsberechnung für das Jahr 2050, während die DGE-Empfehlungen auf einen Zeithorizont bis 2030 ausgerichtet sind.
- Energiebedarfsansatz: Die PHD geht davon aus, dass eine durchschnittliche Person etwa 2.500 Kilokalorien pro Tag benötigt. Im Gegensatz dazu basieren die DGE-Empfehlungen auf der Annahme eines Energiebedarfs von etwa 2.000 Kilokalorien pro Tag. Mit einem höheren Energiebedarf gibt es mehr Spielraum, um die erforderlichen Nährstoffziele zu erreichen. Die DGE-Empfehlungen wurden speziell darauf ausgelegt, die spezifischen Nährstoffbedürfnisse und -grenzen der deutschen Bevölkerung zu berücksichtigen.
Die DGE hat 2025 ein Factsheet veröffentlicht, das Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den DGE-Empfehlungen und der Planetary Health Diet (PHD) zusammenfasst:DGE Factsheet Nachhaltige Ernährungsempfehlungen
Auch die EAT-Lancet-Kommission hat 2025 ein Update veröffentlicht: PHD 2.0 (Rockström et al. 2025). Die DGE ordnet den stärker betonten Fokus auf Ernährungsumgebung und Gerechtigkeit als wichtigen Umsetzungshebel ein (DGE 2025).
Kritik an den DGE-Empfehlungen
In der öffentlichen Debatte wurde wiederholt die Veröffentlichung des Modellcodes gefordert. Schäfer et al. (2025a) weisen darauf hin, dass Programm‑/Code‑Lösungen auf Anfrage bereitgestellt werden können. Die Debatte um Open‑Science‑Standards bleibt jedoch Bestandteil der fachlichen Diskussion. Als Folgearbeit liegt zudem ein Preprint vor, der die Mehrziel‑Optimierung (Gesundheit, Umwelt, Abweichung vom beobachteten Verzehr) und verschiedene Gewichtungs-Schemata beschreibt (Schäfer et al. 2025b, Galliani Salini & Kroke 2025).
Seit Veröffentlichung der DGE‑Empfehlungen wurden in Fachmedien sowohl zustimmende Einordnungen als auch kritische Kommentare publiziert (Watzl et al. 2025, Gonder et al. 2025). Typische Diskussionspunkte sind:
- die Gewichtung der Zielgrößen im Optimierungsmodell (Orientierung am üblichen Verzehr vs. Umwelt vs. Krankheitslast),
- die Auswahl der Umweltindikatoren,
- die Aktualität und Repräsentativität der verwendeten Verzehrsdaten sowie
- die Transparenz der Modellimplementierung (z. B. Veröffentlichung des Codes).
Weiterhin kann bei einer stark pflanzenbetonten Ernährung – insbesondere bei bestimmten Bevölkerungsgruppen – eine sorgfältige Planung erforderlich sein, um eine ausreichende Versorgung mit hochwertigem Protein sowie einzelnen Mikronährstoffen sicherzustellen. Modellanalysen und Übersichtsarbeiten weisen darauf hin, dass bei der Substitution tierischer Produkte durch pflanzliche Alternativen ohne gezielte Auswahl oder Anreicherung potenzielle Risiken für eine unzureichende Zufuhr von Vitamin B12, Riboflavin, Eisen oder Jod bestehen können. Dies betrifft insbesondere Kinder, Schwangere, ältere Menschen sowie Personen mit erhöhtem Nährstoffbedarf. (Stanton 2024, Watzl et al. 2025)
Neuere Übersichtsarbeiten zeigen, dass sich eine hohe Zufuhr hochverarbeiteter pflanzlicher Produkte ungünstig auf die Entstehung von Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Erkrankungen auswirken kann. Eine gesundheitliche Bewertung sollte daher nicht allein anhand der Herkunft (pflanzlich vs. tierisch), sondern auch anhand der Lebensmittelqualität und des Verarbeitungsgrades erfolgen (Del Bo’ et al. 2024).
Fazit
Die überarbeiteten Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) setzen einen deutlichen Schwerpunkt auf eine pflanzenbetonte Ernährung, mit dem Ziel, Gesundheit und Umweltaspekte stärker zu vereinen. So sollen rund 75 % der Ernährung aus pflanzlichen Lebensmitteln und 25 % aus tierischen Quellen bestehen. Die Grundlage für die Empfehlungen bildet ein mathematisches, mehrzieliges Optimierungsmodell, das aktuelle Verzehrsgewohnheiten, Nährstoffbedarfe sowie ökologische Faktoren gleichzeitig berücksichtigt.
Die Empfehlungen richten sich in erster Linie an gesunde Erwachsene, die auch tierische Produkte essen (Mischkost) oder sich vegetarisch ernähren, und sollen alle etwa fünf Jahre überprüft werden, um auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse reagieren zu können.
Die DGE-Empfehlungen wurden von verschiedenen Gruppen auch kritisiert, unter anderem wegen der Gewichtung der verschiedenen Ziele (z. B. Gesunderhaltung versus Umweltauswirkungen) und des nicht öffentlich einsehbaren Codes, der für die Modellierung verwendet wurde. Kritische Stimmen weisen zudem darauf hin, dass es bei einer stark pflanzenbetonten Ernährung wichtig ist, auf eine ausreichende Versorgung mit Protein und bestimmten Mikronährstoffen zu achten, insbesondere für vulnerable Bevölkerungsgruppen. Dabei ist pflanzlich nicht automatisch gesund, der Verarbeitungsgrad spielt ebenfalls eine Rolle.
Ein Update bedarf neuer repräsentativer Verzehrsdaten, verbesserter bzw. aktualisierter Ökobilanzdaten und einer Weiterentwicklung der Modelllogik (z. B. Gewichtungsschemata).
Text: Dr. Tamara Stelzl / Dr. Cornelia Klug / Dr. Sonja Vilei
Weiterführende Links
- WHO (2026): Healthy diet
- DGE (2024): Lebensmittelbezogene Empfehlungen der DGE – Ausgewählte Fragen und Antworten.
- DGE (2024): Öffentliche Kommentierung der wissenschaftlichen Grundlage zur Ableitung von lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen für Deutschland.
- DGE (2024): Podcast-Serie „Wie wollen wir essen?“, Folge 5: Bunt und gesund! – die neuen lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen der DGE.
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Nachweise
BZfE – Bundeszentrum für Ernährung (2024): BZfE-Lunchtalk zu den neuen DGE-Empfehlungen. YouTube-Video vom 14.05.2024
Del Bo‘ et al. (2024): Impact of Substituting Meats with Plant-Based Analogues on Health-Related Markers: A Systematic Review of Human Intervention Studies. Nutrients 16(15):2498
DGE – Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (2026): Neue Ernährungsempfehlungen der USA: Einordnung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)
DGE – Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (2025): Planetary Health Diet 2.0
DGE – Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (2024a): Gut essen und trinken – DGE stellt neue lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen für Deutschland vor. Pressemitteilung vom 05. März 2024
DGE – Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (2024b): Lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen der DGE
DGE – Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (2024c): Gut essen und trinken – die DGE-Empfehlungen
DGE – Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (2024d): Gut essen und trinken – Der DGE-Ernährungskreis
DGE – Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (2024e): Am besten null Promille – neues DGE-Positionspapier zu Alkohol
Galliani Salini & Kroke (2025): Öffentliche Kommentierung zur wissenschaftlichen Grundlage der aktuellen lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen der DGE – Analyse ausgewählter Ergebnisse und Stakeholder-Beteiligung. Ernährungs Umschau international
Gonder et al. (2025): Kommentar zu den neuen „Lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen für Deutschland“ der DGE. Aktuelle Ernährungsmedizin 50(3):168–174
Klug & Barbaresko et al. (2024): Neubewertung der DGE-Position zu veganer Ernährung. Ernährungs Umschau International 7/2024
Mertens et al. (2019): SHARP-Indicators Database towards a public database for environmental sustainability. Data in Brief 27:104617
Oberritter et al. (2013): The DGE Nutrition Circle – Presentation and Basis of the Food-Related Recommendations from the German Nutrition Society (DGE). Ernaehrungs Umschau international 2/2013
Rockström et al. (2025): The EAT–Lancet Commission on healthy, sustainable, and just food systems. Lancet 406(10512):1625–700
Schäfer et al. (2025a): A methodological framework for deriving the German food-based dietary guidelines 2024: Food groups, nutrient goals, and objective functions. PLoS One 20(3):e0313347
Schäfer et al. (2025b): A methodological framework for deriving the German food-based dietary guidelines 2024: a multi-objective function including human health, the environment, and observed dietary intakes. medRxiv (Preprint)
Schäfer et al. (2024): Wissenschaftliche Grundlagen der lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen für Deutschland – Methodik und Ableitungskonzepte. Ernährungs Umschau 3/2024 M158-M166
Stanton AV (2024): Plant-based diets-impacts of consumption of little or no animal-source foods on human health. Frontiers in nutrition 11:1423925
USDA – U.S. Department of Agriculture (2026): Dietary Guidelines for Americans, 2025–2030
Watzl et al. (2025): Lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen der DGE: Relevanz für die medizinische Praxis. Aktuelle Ernährungsmedizin 50:285–291
Titelbild: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)
Stand: Februar 2026
